Balkonkraftwerk

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk? Ertrag, Kosten und Amortisation

BN
Balkonova Redaktion Solar & Balkonkraftwerk
Kurz gesagt: Ja, für die meisten Haushalte lohnt sich ein Balkonkraftwerk. Ein Set für 300 bis 600 Euro erzeugt je nach Montage 500 bis 850 kWh im Jahr und spart 70 bis 130 Euro. Damit ist es nach etwa fünf Jahren bezahlt und liefert danach 15 bis 20 Jahre lang kostenlosen Strom. Ausnahme: Nordseite oder viel Schatten.

Sie stehen auf dem Balkon, sehen auf das Geländer und fragen sich, ob sich ein Balkonkraftwerk an genau dieser Stelle wirklich rechnet. Die Angebote reichen von 300 bis 1.500 Euro, die Werbung verspricht viel — nur sagt Ihnen niemand, was bei Ihrer Himmelsrichtung und Ihrem Verbrauch am Ende herauskommt. Das ist das eigentliche Problem: Ohne ehrliche Schätzung kaufen Sie auf gut Glück. Dieser Text zeigt Ihnen, wie viel Strom so eine Mini-Anlage erzeugt, was sie kostet und nach wie vielen Jahren sie sich bezahlt gemacht hat. Fachleute nennen diesen Zeitpunkt Amortisation: Ab da hat die Anlage so viel Strom gespart, wie sie im Kauf gekostet hat.

Kernerkenntnisse

Wieviel Strom erzeugt ein Balkonkraftwerk? Die ehrlichen Zahlen

Wieviel Strom ein Balkonkraftwerk erzeugt, hängt weniger vom Preisschild ab als von der Wand, an der es hängt. Zuerst kurz, worüber wir reden: Ein Balkonkraftwerk ist eine Mini-Solaranlage zum Selbstanschließen. Ein oder zwei Solarmodule, dazu ein kleiner Kasten — der Wechselrichter. Dieser Kasten macht aus dem Sonnenstrom normalen Haushaltsstrom, denn Module liefern eine Stromart, mit der Ihre Geräte nichts anfangen können.

Der Stecker geht in die Steckdose. Von dort fließt der Strom automatisch zu allem, was gerade läuft: Kühlschrank, Router, Ladegeräte, Standby. In Deutschland gelten seit 2024 zwei Obergrenzen. Watt ist dabei das Maß dafür, wie viel Strom in einem Moment fließt — eine helle LED-Lampe braucht etwa 10 Watt. Höchstens 800 Watt dürfen aus der Anlage ins Hausnetz gehen, und die Module zusammen dürfen bis zu 2.000 Watt leisten. Anmelden müssen Sie die Anlage nur noch im Marktstammdatenregister, einer amtlichen Online-Liste für alle, die Strom erzeugen. Die Firma, der die Stromleitungen in Ihrer Straße gehören, muss nicht mehr um Erlaubnis gefragt werden.

Die Faustregel für den Jahresertrag. Pro 1.000 Watt Modulleistung kommen in Deutschland rund 900 bis 1.000 Kilowattstunden im Jahr zusammen — allerdings nur, wenn die Module schräg nach Süden stehen. Kilowattstunde, kurz kWh, ist die Strommenge, die auch auf Ihrer Stromrechnung steht. Wie stark die Montage durchschlägt, zeigt der Vergleich einer typischen Anlage mit zwei Modulen à 430 Watt:

Montage einer 860-Watt-AnlageErtrag pro Jahr
schräg aufgestellt, nach Süden750 – 850 kWh
senkrecht am Geländer, nach Süden500 – 650 kWh
Nordseite150 – 250 kWh

Zur Einordnung: 600 kWh entsprechen ungefähr dem Jahresverbrauch von Kühlschrank, Waschmaschine und der gesamten Beleuchtung eines Zwei-Personen-Haushalts.

Vier Dinge entscheiden fast alles:

Schatten wird fast immer unterschätzt. Solarmodule reagieren darauf wie ein Gartenschlauch auf einen Knick: Schon eine kleine Stelle drosselt viel mehr, als ihre Größe vermuten lässt. Liegt auch nur ein Teil eines Moduls im Dunkeln, zieht das die ganze Anlage nach unten. Schauen Sie deshalb vor dem Kauf an einem sonnigen Tag nach, wie lange Ihr Balkon wirklich direkte Sonne bekommt.

Im Winter läuft die Anlage weiter, nur deutlich schwächer. Module brauchen Helligkeit, keine Wärme — bei Kälte arbeiten sie sogar etwas besser. Trotzdem sind die Tage kurz und oft bewölkt. Dezember und Januar liefern je nur 2 bis 4 % der Jahresmenge, Juni und Juli je 13 bis 15 %. Bei 600 kWh im Jahr bleiben im Dezember also rund 15 bis 20 kWh übrig: genug für Kühlschrank und Router, mehr nicht.

Der wichtigste Punkt kommt zum Schluss. Geld sparen Sie nur mit dem Strom, den Sie selbst verbrauchen. Alles, was Sie nicht nutzen, fließt ins Netz, ohne dass Sie dafür Geld bekommen. Weil ein Balkonkraftwerk klein ist, deckt es meist nur die Grundlast — also die 100 bis 150 Watt, die Kühlschrank, Router und Standby-Geräte rund um die Uhr ziehen. Genau deshalb landet hier ein großer Teil des Stroms im eigenen Haushalt, mehr als bei großen Dachanlagen.

Eine Nordseite bleibt trotzdem heikel. Rechnen wir es durch: 200 kWh im Jahr, davon 60 % selbst genutzt, macht 120 kWh. Bei 0,35 Euro je kWh sind das 42 Euro Ersparnis. Bei 500 Euro Anschaffung dauert es rund zwölf Jahre, bis sich das trägt — fast die halbe Lebensdauer. Sinnvoller ist dann jede andere Fläche: Ost- oder Westseite, Terrasse, Garagendach, Gartenzaun oder ein Gestell auf dem Balkonboden.

Balkonkraftwerk Kosten und Preise: Was Sie wirklich zahlen

Die Preise für ein Balkonkraftwerk schwanken so stark, dass viele Menschen den Kauf erst einmal vertagen — 300 Euro hier, 1.500 Euro dort, und der Unterschied ist auf den ersten Blick unsichtbar. Meist steckt dahinter nur eine Frage: Speicher ja oder nein. Ein Speicher ist eine Batterie, die den Mittagsstrom für den Abend aufhebt.

VariantePreis
Komplettset, zwei Module, rund 800 Watt300 – 600 €
dasselbe Set mit Speicher800 – 1.500 €

Im Set enthalten sind normalerweise Module, Wechselrichter, Kabel und Halterung. Ohne Speicher kostet so ein Paket ungefähr so viel wie eine gute Waschmaschine — es hält aber 20 bis 25 Jahre.

Was nach dem Kauf noch dazukommt, ist überschaubar, denn die Anlage hat keine beweglichen Teile, die kaputtgehen können. Möglich sind eine Spezialhalterung für Ihr Geländer (50 bis 150 Euro) und ein Elektriker, falls eine Außensteckdose fehlt (150 bis 300 Euro). Ein alter Zähler, der rückwärts läuft, wird kostenlos getauscht. Die Anmeldung im Marktstammdatenregister ist gratis und dauert etwa zehn Minuten. Laufende Kosten gibt es praktisch keine — gelegentlich die Module abwischen, das war es.

Beim Preis hilft der Staat inzwischen deutlich mit. Bundesweit fällt auf Balkonkraftwerke keine Mehrwertsteuer an, also 0 % statt 19 %. Bei einem 500-Euro-Set sind das rund 80 Euro weniger als früher. Zusätzlich zahlen viele Städte, Gemeinden und einzelne Bundesländer Zuschüsse von meist 50 bis 300 Euro, manche übernehmen bis zur Hälfte des Kaufpreises. Das Geld dafür ist allerdings oft schnell aufgebraucht. Suchen Sie deshalb vor dem Kauf nach „Förderung Balkonkraftwerk" plus Ihrem Wohnort — und beachten Sie: Fast immer muss der Antrag vor dem Kauf gestellt werden, sonst gibt es nichts mehr.

So rechnet sich ein typisches Set. Nehmen wir 450 Euro, 800 Watt, Südbalkon:

  1. Ertrag im Jahr: rund 700 kWh
  2. Davon ohne Speicher selbst genutzt, etwa 35 %: 245 kWh
  3. Ersparnis: 245 kWh × 0,35 € = rund 86 € im Jahr
  4. Amortisation: 450 € ÷ 86 € = etwa 5,2 Jahre

Danach läuft die Anlage noch 15 bis 20 Jahre und liefert Gratisstrom. Realistisch sparen Sie ohne Speicher 70 bis 130 Euro im Jahr. Mit Speicher nutzen Sie 60 bis 70 % des Stroms selbst und sparen 150 bis 180 Euro — allerdings gegen einen deutlich höheren Kaufpreis. Kostenlos nachhelfen können Sie auch so: Waschmaschine, Spülmaschine und Ladegeräte per Zeitschaltuhr auf die Mittagsstunden legen. Das bringt oft 20 bis 30 Euro mehr im Jahr.

Unterm Strich: Bei einem Set unter 500 Euro und Südausrichtung lohnt es sich fast immer. Ungünstig wird es nur bei viel Schatten, Nordausrichtung oder wenn tagsüber niemand zu Hause ist und ein Speicher fehlt.

Balkonkraftwerk Ertragsrechner: In zehn Minuten zur eigenen Zahl

Ein Balkonkraftwerk Ertragsrechner nimmt Ihnen genau die Unsicherheit ab, die nach den Zahlen oben bleibt — denn Spannen wie „500 bis 650 kWh" helfen nur begrenzt, wenn Sie wissen wollen, was an Ihrer Wand passiert. So ein Rechner ist ein kleines Online-Werkzeug: Sie geben ein, was Sie vorhaben, und sehen vorher, was dabei herauskommt. Ähnlich wie der Verbrauchsrechner beim Autokauf.

Im Hintergrund greift das Werkzeug auf Wetterdaten aus vielen Jahren zurück — wie viel Sonne an Ihrem Ort in jedem Monat im Schnitt ankommt. Diese Menge verrechnet es mit der Leistung Ihrer Module und zieht dann Abschläge ab: für Himmelsrichtung, Neigung, Schatten und den Strom, der im Wechselrichter verloren geht. Stellen Sie sich einen Regenmesser vor, den man schräg stellt: Er fängt weniger auf als ein gerader.

Eigene Zahl statt Faustregel

Der Balkonova Ertragsrechner rechnet mit Ihrer Postleitzahl, Himmelsrichtung und Modulleistung — in wenigen Minuten sehen Sie Jahresertrag und Ersparnis für genau Ihren Balkon.

Zum Ertragsrechner

Fünf Angaben reichen meistens:

Für die Geldrechnung kommen zwei Zahlen dazu: Ihr Strompreis, aktuell rund 0,30 bis 0,40 Euro je kWh, und wie viel Strom bei Ihnen tagsüber dauerhaft läuft.

Wie genau ist das Ergebnis? Bei sauberen Eingaben liegen gute Rechner beim Jahresertrag 10 bis 20 Prozent daneben. Das ist wie eine Wettervorhersage für eine ganze Jahreszeit: Die Richtung stimmt, der einzelne Tag nicht. Einzelne Jahre schwanken zusätzlich um plus/minus 10 Prozent, weil ein sonniger Sommer schlicht mehr bringt. Der größte Fehler kommt allerdings selten vom Rechner, sondern von der eigenen Einschätzung: Ein Baum, der ab 15 Uhr die Module streift, kostet leicht 10 bis 25 Prozent. Rechnen Sie deshalb lieber mit dem unteren Rand der Spanne — dann werden Sie am Ende positiv überrascht statt enttäuscht.

Sie können auch selbst nachrechnen und so prüfen, ob das Ergebnis des Rechners stimmen kann. Beispiel: 880 Watt, senkrecht an einer Südwand.

SchrittRechnungErgebnis
Ertrag0,88 × 650 kWh≈ 570 kWh im Jahr
Selbst genutzt (65 %)570 × 0,65≈ 370 kWh
Ersparnis370 × 0,35 €≈ 130 € im Jahr
Amortisation600 € ÷ 130 €≈ 4,6 Jahre

Ein letzter Tipp zum Umgang mit dem Werkzeug: Spielen Sie zwei Varianten durch — einmal Ihre Wunschstelle, einmal die zweitbeste Fläche. Der Unterschied zwischen beiden Zahlen ist oft größer als der Preisunterschied zwischen zwei Angeboten.

Häufige Fragen

Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?

Ja, aber nur im Marktstammdatenregister. Das ist online in etwa zehn Minuten erledigt und kostet nichts. Die Firma, der die Stromleitungen gehören, müssen Sie seit 2024 nicht mehr fragen.

Wie viel Watt darf ein Balkonkraftwerk haben?

In Deutschland dürfen höchstens 800 Watt ins Hausnetz fließen, die Module selbst dürfen zusammen bis zu 2.000 Watt leisten. Sie dürfen also deutlich mehr können, als am Ende weitergegeben wird. Das ist sinnvoll, weil die volle Leistung ohnehin nur bei bestem Sonnenschein zustande kommt.

Brauche ich eine spezielle Steckdose?

In der Regel genügt eine normale Außensteckdose in gutem Zustand. Fehlt eine, kostet der Einbau durch einen Elektriker etwa 150 bis 300 Euro — einmalig, danach ist Ruhe. Verlängerungskabel und Mehrfachsteckdosen sind dafür nicht geeignet.

Bekomme ich Geld für den Strom, den ich nicht verbrauche?

Praktisch nein. Was Sie nicht selbst nutzen, fließt ohne Bezahlung ins Netz. Deshalb zählt nur der Strom, den Sie im Haushalt verbrauchen — legen Sie große Geräte möglichst auf die Mittagsstunden.

Darf mein Vermieter das verbieten?

Seit der Gesetzesänderung 2024 stehen Balkonkraftwerke unter besonderem Schutz: Der Vermieter und die anderen Eigentümer im Haus können die Montage kaum noch grundsätzlich ablehnen. Vorgaben zur Befestigung und zum Aussehen dürfen sie aber machen. Fragen Sie vorher schriftlich an, dann gibt es später keinen Streit.

Wie lange hält ein Balkonkraftwerk?

Die Module halten 20 bis 25 Jahre und verlieren dabei langsam etwas Leistung. Der Wechselrichter ist das schwächste Glied und muss unter Umständen einmal getauscht werden — ein einzelnes Teil, an das man herankommt, ohne die Module abzubauen. Sonst braucht die Anlage keine Wartung.

Lohnt sich ein Speicher?

Er lohnt sich vor allem dann, wenn tagsüber niemand zu Hause ist. Dann steigt der selbst genutzte Anteil von etwa 35 auf 60 bis 70 Prozent und die Ersparnis auf 150 bis 180 Euro im Jahr. Weil ein Speicher aber mehrere hundert Euro kostet, dauert es trotzdem oft länger, bis sich die Anlage bezahlt macht. Sind Sie tagsüber viel zu Hause, sparen Sie sich das Geld besser.

Was passiert bei Schnee oder Sturm?

Schnee rutscht von senkrecht montierten Modulen von allein ab, auf flach liegenden bleibt er liegen. Wichtiger ist die Befestigung: Halterung und Verschraubung müssen starken Wind aushalten. Prüfen Sie sie einmal im Jahr auf festen Sitz.