Balkonkraftwerk

Balkonkraftwerk: Der Komplett-Ratgeber für Solarstrom vom Balkon

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BN
Balkonova Redaktion Solar & Balkonkraftwerk
Kurz gesagt: Ein Balkonkraftwerk mit 800 Watt kostet 400 bis 800 Euro, erzeugt in Deutschland 600 bis 800 Kilowattstunden im Jahr und spart davon realistisch 60 bis 150 Euro Stromkosten — nach etwa fünf bis sieben Jahren ist es bezahlt. Angemeldet wird es kostenlos in 15 Minuten im Marktstammdatenregister, mehr braucht es nicht.

Ein Balkonkraftwerk steht inzwischen an fast jedem zweiten Wohnblock, und genau das macht die Sache schwierig: Jeder Anbieter verspricht etwas anderes, jede Nachbarin hat eine andere Zahl im Kopf. Sie wollen eigentlich nur wissen, ob sich das Ding an Ihrem Balkon rechnet — und was Sie tun müssen, damit es erlaubt ist und hält. Genau das steht hier: wie viel Strom die Anlage wirklich liefert, was sie kostet, wann sie sich bezahlt macht, wie die Anmeldung läuft und welche Halterung an Ihr Geländer passt. Alle Zahlen sind ehrliche Größenordnungen, keine Bestwerte aus dem Prospekt.

Balkonkraftwerk Leistung: Was die Anlage wirklich bringt

Balkonkraftwerk Leistung: Was die Anlage wirklich bringt — infographic

Die Leistung eines Balkonkraftwerks ist der Punkt, an dem die meisten Menschen enttäuscht werden — meist, weil sie die falsche Zahl im Kopf hatten. Auf dem Modul steht zum Beispiel „425 Wp". Das kleine p bedeutet Spitzenwert: die höchste Leistung, die das Modul überhaupt schaffen kann. Gemessen wird sie im Labor, bei voller Sonne, senkrecht auf das Modul, bei 25 Grad. Diese vier Bedingungen treffen auf einem echten Balkon fast nie zusammen.

In der Praxis liefert ein Modul selten mehr als 70 bis 80 Prozent dieser Zahl. Das ist kein Mangel, sondern völlig normal — alle Ertragszahlen weiter unten sind bereits so gerechnet. Im Hochsommer kommt sogar noch weniger an, denn heiße Module arbeiten schlechter: Pro Grad über 25 gehen etwa 0,4 Prozent verloren. Kälte mögen Module dagegen gut.

Was real herauskommt:

Eine Anlage, die höchstens 800 Watt ins Haus abgibt, erzeugt in Deutschland grob 600 bis 800 Kilowattstunden im Jahr. Eine Kilowattstunde (kWh) ist die Menge Strom, mit der ein Kühlschrank etwa einen Tag läuft. Über das Jahr gerechnet sind das im Schnitt 1,5 bis 2 kWh am Tag — aber dieser Schnitt täuscht gewaltig:

MonatErtrag pro MonatTypischer Tag
Juni80–100 kWh3–4 kWh
Dezember10–15 kWh0,2 kWh

Der Dezember bringt also nur etwa ein Zehntel des Juni. Das ist eingeplant: Die Jahreszahl oben ist bereits der Durchschnitt aus starken Sommer- und schwachen Wintermonaten. Schuld am dünnen Winter ist übrigens nicht die Kälte, sondern der flache Sonnenstand und acht statt sechzehn Stunden Tageslicht. Bei dichten Wolken sinkt die Leistung auf 10 bis 25 Prozent — statt 700 Watt kommen dann noch 70 bis 180 Watt an, weil auch das Streulicht hinter den Wolken noch etwas bringt.

Vier Dinge entscheiden fast alles:

Himmelsrichtung, Neigung, Schatten und Jahreszeit. Am härtesten wirkt Schatten. Ein Ast oder das Nachbarhaus, das nachmittags einen Streifen aufs Modul wirft, kostet mehr Ertrag als jede ungünstige Ausrichtung — ein teilweise verschattetes Modul bricht stark ein, ähnlich wie ein Gartenschlauch, auf den jemand tritt. Der Trost: Schatten sehen Sie vorher, ganz ohne Messgerät — wie Sie ihn prüfen, steht weiter unten beim Montageort.

Reicht das im Alltag? Tagsüber locker für die Dauerläufer: Ein Kühlschrank braucht 30 bis 50 Watt, ein Fernseher 60 bis 120. Nicht reichen wird es für kurze Kraftpakete wie Wasserkocher (2.000 Watt), Backofen oder Föhn. Deren Strom kommt weiter aus dem Netz, ganz automatisch, ohne dass Sie irgendetwas umschalten.

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?

Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk? — infographic

Wie ein Balkonkraftwerk funktioniert, lässt sich in drei Schritten erzählen — und nach diesen drei Schritten verliert die Technik ihren Schrecken.

Schritt 1: Licht wird Strom.

In jedem Modul stecken hauchdünne Scheiben aus Silizium — das ist der Stoff, aus dem auch Sand besteht. Trifft Licht darauf, löst es dort winzige Ladungsteilchen aus ihrer Position. Diese Teilchen fangen an zu wandern, und dieses Wandern ist elektrischer Strom. Ein typisches Balkonmodul schafft 400 bis 500 Watt, zwei zusammen also rund 800 bis 1.000.

Schritt 2: Der Wechselrichter übersetzt.

Der Strom aus dem Modul fließt immer in dieselbe Richtung. Damit kann Ihre Kaffeemaschine nichts anfangen. Der Wechselrichter — ein flaches Kästchen hinter dem Modul — macht daraus den Haushaltsstrom, den alle Geräte erwarten. Ohne ihn passt Solarstrom schlicht nicht ins Netz, wie ein Stecker, der nicht in die Dose geht. Zugleich übernimmt er die wichtigste Sicherheitsaufgabe: Fällt der Hausstrom aus, schaltet er sich in Sekundenbruchteilen ab, damit niemand an einer scheinbar toten Leitung einen Schlag bekommt.

Schritt 3: Der Strom sucht sich den nächsten Verbraucher.

Vom Wechselrichter führt ein normales Kabel in eine Steckdose auf dem Balkon. Ab dort läuft der Strom rückwärts durch dieselben Leitungen, durch die er sonst vom Stromversorger kommt. Läuft gerade der Kühlschrank, wird der zuerst bedient — nicht der Nachbar, nicht das öffentliche Netz. Mehr als diese eine Steckdose brauchen Sie nicht, ein Handwerker ist dafür nicht vorgeschrieben.

Bleibt der Begriff Einspeisung. Er bedeutet nur eins: Was Sie in dem Moment, in dem der Strom entsteht, nicht selbst verbrauchen, fließt ins öffentliche Netz ab. Sie verschenken es, denn für Balkonkraftwerke gibt es praktisch kein Geld dafür. Ihr Geld verdienen Sie deshalb ausschließlich mit dem Strom, den Sie selbst nutzen. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ist eine, die Sie nicht kaufen müssen — daher der Rat, Wasch- und Spülmaschine mittags laufen zu lassen statt abends.

Wichtig noch zum Zähler: Moderne Zähler rechnen die Einspeisung nicht als Verbrauch mit. Alte Ferraris-Zähler mit der drehenden Silberscheibe würden dagegen rückwärts laufen — die tauscht der Netzbetreiber nach Ihrer Anmeldung kostenlos aus. Netzbetreiber ist die Firma, der die Stromleitungen in Ihrer Straße gehören; sie ist nicht dasselbe wie der Anbieter, dem Sie Ihren Strom bezahlen.

Balkonkraftwerk mit Speicher: Lohnt sich der Akku?

Balkonkraftwerk mit Speicher: Lohnt sich der Akku? — infographic

Ein Balkonkraftwerk mit Speicher klingt nach der logischen Lösung für das Grundproblem: Die Sonne scheint mittags, verbraucht wird abends. Ein Speicher ist dabei nichts anderes als eine Thermoskanne für Strom. Er hebt den Mittagsstrom auf, bis Sie ihn für Herd, Fernseher und Waschmaschine brauchen.

Der Effekt ist echt: Ohne Speicher nutzen Sie typischerweise nur 30 bis 40 Prozent Ihres eigenen Stroms selbst, mit Speicher werden 55 bis 75 Prozent daraus. Die Frage ist nur, ob das den Preis wert ist.

Die Rechnung, bei 700 kWh Jahresertrag und 35 Cent je kWh:

  1. Ohne Speicher, 35 % selbst genutzt: 245 kWh × 0,35 € = 86 € im Jahr
  2. Mit 2-kWh-Speicher, 65 % selbst genutzt: 455 kWh × 0,35 € = 159 € im Jahr
  3. Mehrertrag durch den Speicher: 159 € − 86 € = 73 € im Jahr
  4. Kaufpreis rund 900 € → 900 ÷ 73 = etwa 12 Jahre bis zur Rückzahlung

Das ist knapp. Der Speicher hält zwar so lange, aber Gewinn bleibt kaum übrig. Ehrlich gesagt: Finanziell ist er meist ein Nullsummenspiel, kein Sparwunder. Wer ihn trotzdem kauft, kauft vor allem Unabhängigkeit und den guten Gedanken, weniger zu verschenken — und niemand muss sich heute festlegen, denn nachrüsten geht später fast immer.

Sinnvoll ist ein Speicher, wenn:

Eher nicht sinnvoll, wenn:

Zur Haltbarkeit: Fast alle Balkonspeicher nutzen eine besonders langlebige Akku-Bauart — auf dem Datenblatt steht dafür das Kürzel LiFePO4. Die Hersteller nennen 3.000 bis 6.000 volle Lade- und Entladevorgänge, bei einem pro Tag also 10 bis 15 Jahre. Danach ist der Akku nicht kaputt, nur schwächer — er fasst noch 70 bis 80 Prozent, wie eine ältere Handy-Batterie. Zurückgeben können Sie ihn kostenlos im Handel.

Und die gute Nachricht zum Schluss: Am flexibelsten sind Speicher, die zwischen Modul und Wechselrichter sitzen, weil sie den Strom schon abgreifen, bevor der Wechselrichter ihn umwandelt. Prüfen Sie beim Kauf nur, ob Ihr Hersteller einen passenden Speicher anbietet. Dann halten Sie sich die Tür offen, ohne heute mehr zu zahlen.

Balkonkraftwerk 800 Watt: die Standardgröße

Dass fast jedes Balkonkraftwerk mit 800 Watt verkauft wird, hat keinen technischen Grund — es ist schlicht die gesetzliche Obergrenze. Bis Frühjahr 2024 waren in Deutschland nur 600 Watt erlaubt. Mit dem sogenannten Solarpaket I — einem Gesetz, das die Regeln für kleine Solaranlagen gelockert hat — stieg die Grenze auf 800 Watt und passt damit zum Wert, der in Europa üblich ist. Bis zu dieser Größe gilt eine Anlage als so klein, dass sie das Stromnetz nicht stört. Seitdem bauen alle Hersteller genau auf diese Zahl: Größer ist ohne Elektriker nicht erlaubt, kleiner verschenkt Ertrag.

Der wichtigste Punkt dabei wird oft verwechselt:

Die 800 Watt gelten für den Wechselrichter, nicht für die Module. Die Module selbst dürfen bis 2.000 Watt Spitzenwert haben.

BauteilErlaubtes Maximum
Module (Spitzenwert)2.000 Wp
Wechselrichter (Abgabe)800 W

Mehr Modulfläche, als der Wechselrichter durchlässt, klingt nach Verschwendung — ist aber gewollt und heißt „Überbelegung". Die volle Modulleistung liegt ohnehin nur an wenigen Stunden im Jahr an. Den Rest der Zeit füllen die zusätzlichen Module die schwachen Stunden auf: morgens, abends, bei Wolken, im Winter. Genau dort holen Sie den Ertrag, der zählt.

Reicht das für einen Haushalt? Nein, und das soll es auch nicht. Ein Balkonkraftwerk deckt die Grundlast — damit ist alles gemeint, was ständig läuft: Kühlschrank, Router, Geräte im Bereitschaftsbetrieb, zusammen meist 100 bis 200 Watt. Ein Zwei-Personen-Haushalt verbraucht rund 2.500 kWh im Jahr. Mit 600 bis 800 kWh Erzeugung decken Sie davon rechnerisch grob ein Viertel; wirklich nutzen können Sie etwa ein Drittel dieser Menge, der Rest fließt ungenutzt ins Netz. Mehr geht in dieser Klasse nicht — dafür ist auch der Preis entsprechend klein.

Aufstocken können Sie jederzeit, solange Sie unter 2.000 Wp Modulleistung bleiben. Wollen Sie dagegen den Wechselrichter vergrößern, verlassen Sie die Balkonkraftwerk-Regeln: Dann gilt Ihre Anlage als normale Solaranlage, mit Elektrofachkraft, Abnahme durch den Netzbetreiber und oft einem neuen Zählerschrank — das ist der Kasten, in dem Ihr Stromzähler sitzt. Schnell sind 500 bis 1.500 Euro extra fällig. Praktischer Rat: Kaufen Sie einen Wechselrichter, der mehr könnte und sich per App auf 800 Watt bremsen lässt. Ein späterer Umstieg ist dann nur eine Einstellung, kein Neukauf.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Ob sich ein Balkonkraftwerk lohnt, entscheidet weniger die Anlage als Ihr Tagesablauf — und das ist die Antwort, die in kaum einem Werbetext steht. Denn gespart wird nur mit dem Strom, den Sie genau dann verbrauchen, wenn er erzeugt wird.

Die Grundrechnung, mit vorsichtigen Werten:

PostenWert
Anschaffung (Set mit 2 Modulen)500 €
Jahresertrag700 kWh
Davon selbst genutzt (35 %)245 kWh
Strompreis0,35 €/kWh
Ersparnis pro Jahr86 €
Rückzahlung500 ÷ 86 = rund 6 Jahre

Die Module halten 20 bis 25 Jahre. Nach der Rückzahlung verdienen Sie also gut 15 Jahre lang mit. Seit 2023 entfällt zudem die Mehrwertsteuer auf die Anschaffung.

Ihren eigenen Ertrag berechnen

Die Zahlen oben sind Durchschnittswerte. Mit dem kostenlosen Ertragsrechner von Balkonova sehen Sie, was Ihr Balkon mit seiner Ausrichtung und Größe tatsächlich bringt. Balkonova bietet außerdem fertige Komplettsets für den direkten Einstieg.

Zum Ertragsrechner

Realistisch liegt die jährliche Ersparnis zwischen 60 und 150 Euro. Wer werktags außer Haus ist, landet am unteren Rand. Zu Hause arbeiten und mittags waschen bringt dagegen 40 bis 50 Prozent Eigenverbrauch — das ist das obere Ende. Unterm Strich ist es ein Spareffekt in der Größenordnung eines Handyvertrags; die Stromrechnung verschwindet nicht, aber der Effekt läuft 20 Jahre lang, ohne dass Sie etwas dafür tun müssen.

Nicht lohnen wird es sich in drei Fällen:

Das Risiko ist ansonsten klein — die Sonne ist gratis, und von Jahr zu Jahr schwankt der Ertrag nur um etwa zehn Prozent. Das einzige Bauteil, das ausfallen kann, ist der Wechselrichter; darauf gibt es meist 10 bis 12 Jahre Garantie, also länger als die Rückzahlzeit. Gegen Diebstahl und Sturm hilft ein Eintrag in die Hausratversicherung.

Ob es bei Ihnen klappt, sehen Sie übrigens live: Fast jeder Wechselrichter bringt eine eigene App mit, die die aktuelle Leistung in Watt und die Summen pro Tag, Monat und Jahr zeigt. Wollen Sie auch den tatsächlichen Eigenverbrauch in Euro sehen, brauchen Sie zusätzlich eine Steckdose, die den Verbrauch misst, oder ein kleines Messgerät am Zähler.

Balkonkraftwerk anmelden: 15 Minuten am Rechner

Ein Balkonkraftwerk anmelden müssen Sie in Deutschland auf jeden Fall — der Kauf allein reicht nicht, auch wenn das Gerät nur in der Steckdose hängt. Die gute Nachricht: Seit Mai 2024 gibt es nur noch eine Anmeldung statt zwei. Die frühere zusätzliche Meldung beim Netzbetreiber ist ersatzlos weggefallen, der bekommt die Daten automatisch.

So läuft es ab:

  1. Auf marktstammdatenregister.de gehen — das ist das amtliche Verzeichnis aller Stromerzeuger in Deutschland — und dort den Bereich „Steckerfertige Solaranlage" öffnen
  2. Einmalig ein kostenloses Benutzerkonto anlegen
  3. Kurzformular ausfüllen: Name, Adresse, Tag der Inbetriebnahme (der Tag, an dem Sie den Stecker zum ersten Mal eingesteckt haben), Leistung der Module in Watt, Leistung des Wechselrichters in Watt
  4. Absenden — fertig

Alle Angaben stehen auf dem Datenblatt oder auf dem Aufkleber an der Rückseite des Geräts. Rechnen Sie mit 10 bis 20 Minuten inklusive Kontoanlage. Melden müssen Sie die Anlage innerhalb eines Monats, nachdem sie läuft.

Fachwissen brauchen Sie dafür nicht. Der einzige Stolperstein: Modul-Leistung und Wechselrichter-Leistung nicht verwechseln. Erlaubt sind bis 2.000 Watt Module und 800 Watt Wechselrichter.

Kosten entstehen keine. Die Eintragung ist gebührenfrei, und auch der Zählertausch geht auf Rechnung des Netzbetreibers. Rechnet man die eigene Viertelstunde mit 20 Euro pro Stunde, ergibt das rechnerisch 5 Euro Aufwand für eine Anlage, die 86 Euro und mehr im Jahr spart. Es ist mit Abstand der billigste Teil des Projekts.

Und wenn Sie es vergessen?

Formal ist das eine Ordnungswidrigkeit — ein Regelverstoß, keine Straftat, ähnlich wie ein nicht umgemeldeter Wohnsitz. Das Gesetz sieht zwar hohe Bußgelder vor, bei einem 800-Watt-Gerät folgt in der Praxis aber meist nur die Aufforderung zum Nachmelden. Handfester ist das andere Risiko: Ohne Eintrag weiß Ihr Netzbetreiber nichts von der Anlage — läuft dann Ihr alter Zähler rückwärts, kann das als Manipulation gewertet werden. Nachmelden geht jederzeit und kostet nichts. Je früher, desto unproblematischer.

Die Bundesnetzagentur — die Behörde, die dieses Register führt — bietet zusätzlich eine kostenlose App an, die durch dieselben Felder führt. Nötig ist sie nicht, die Website funktioniert im Handy-Browser genauso. Angebote von Fremdanbietern, die Ihnen die Anmeldung gegen Gebühr abnehmen, brauchen Sie nicht.

Halterung und Montageort wählen

Die Halterung und den Montageort wählen Sie nicht nach Geschmack, sondern nach Ihrem Geländer — und diese eine Entscheidung bestimmt am Ende, wie viel die Anlage liefert.

Balkon-TypPassende HalterungPreis pro Modul
Metall- oder Holzgeländer mit StrebenGeländerhalterung: Bügel, die man festklemmt, kein Bohren40–120 €
Geschlossene Brüstung, GlasfüllungWandhalterung, in die Wand gedübelt60–150 €
Boden oder Terrasse freiSchräggestell, mit Gehwegplatten beschwert50–150 €

Faustregel: klemmen, wo es geht. Bohren nur, wenn es sein muss — jedes Loch in der Fassade ist ein Eingriff, den Sie später wieder verschließen müssen.

Der Feind ist der Wind, nicht das Gewicht.

Ein Modul misst rund 1,7 × 1,1 Meter, also die Fläche einer Zimmertür. Bei Sturm wirkt es wie ein Segel und zieht mit einem Vielfachen seiner 20 bis 25 Kilo an der Halterung. Deshalb: Halterung passend zur Form Ihres Geländers kaufen, Schrauben genau so fest anziehen, wie der Hersteller es vorgibt, und nach dem ersten Sturm sowie einmal im Jahr nachziehen. An jedes Modul gehört zusätzlich ein Fangseil zum Geländer — der Sicherheitsgurt für den Fall, dass eine Klemme versagt. Ab etwa vier Metern Höhe verlangen viele Hersteller und Vermieter einen Nachweis, dass die Halterung dem Wind standhält; den liefert der Hersteller der Halterung in der Regel als Blatt zum Ausdrucken mit.

Beim Ertrag lohnt der Vergleich in Zahlen. Für eine 800-Watt-Anlage in Deutschland:

Zwischen einem senkrechten Süd- und einem senkrechten Nordgeländer liegen also etwa 350 kWh. Selbst wenn Sie nur ein Drittel davon selbst verbrauchen, sind das rund 40 Euro im Jahr, über 20 Jahre gut 800 Euro. Wichtiger als die Himmelsrichtung bleibt trotzdem der Schatten: Beobachten Sie Ihren Balkon an einem sonnigen Tag morgens, mittags und nachmittags, bevor Sie bestellen.

Erlaubnis:

Fragen müssen Sie, verbieten kann man es Ihnen kaum noch. Seit Oktober 2024 gilt ein Balkonkraftwerk als bevorrechtigte Maßnahme — das heißt, Sie haben grundsätzlich ein Recht darauf. Vermieter und Eigentümergemeinschaft dürfen über das Wie mitreden — Farbe, Befestigungsart, Sicherung — das Ob aber nicht mehr ohne triftigen Grund ablehnen. Ein kurzes Schreiben mit Modellangabe, Halterungsart und Skizze genügt meist. Wollen Sie in die Fassade bohren, brauchen Sie in jedem Fall eine schriftliche Zustimmung. Steht Ihr Haus unter Denkmalschutz, darf das Aussehen nicht ohne Weiteres verändert werden — ein Anruf beim Bauamt klärt die Lage in fünf Minuten.

Zuletzt die Montage selbst: Eine Geländerhalterung schaffen zwei Personen in 30 bis 60 Minuten mit Maulschlüssel und Inbusschlüssel. Zu zweit deshalb, weil ein 25-Kilo-Modul auf einem schmalen Balkon allein schwer zu führen ist. Sobald in Mauerwerk, Dämmung oder Beton gebohrt wird, holen Sie besser jemanden — der Dübel muss zur Wandart passen, und ein falsch gesetzter hält vielleicht ein Jahr. 150 bis 400 Euro sind gut angelegt, wenn unter dem Balkon ein Gehweg liegt.

Kernerkenntnisse

Häufige Fragen

Darf mein Vermieter ein Balkonkraftwerk verbieten?

Seit Oktober 2024 praktisch nicht mehr — die Anlage gilt als bevorrechtigte Maßnahme, Sie haben also ein Recht darauf. Ihr Vermieter darf über die Art der Befestigung und das Aussehen mitreden, das Ob aber nur mit triftigem Grund ablehnen. Fragen müssen Sie trotzdem, am besten schriftlich mit Foto und Modellangabe.

Brauche ich einen Elektriker für den Anschluss?

Nein. Der Wechselrichter wird über ein normales Kabel in eine Steckdose auf dem Balkon gesteckt, das dürfen Sie selbst machen. Eine Elektrofachkraft brauchen Sie nur, wenn Sie eine besondere, fest angeschlossene Solar-Steckdose wünschen oder Ihr Zählerschrank sehr alt ist.

Was passiert bei Stromausfall?

Der Wechselrichter schaltet sich innerhalb von Sekundenbruchteilen ab. Das ist Absicht: So kann niemand an einer scheinbar toten Leitung einen Schlag bekommen. Ihr Balkonkraftwerk liefert bei Stromausfall also keinen Strom — es sei denn, es hat ausdrücklich eine Notstromfunktion, also eine eigene Steckdose, die auch ohne Netz weiterläuft.

Bekomme ich Geld für den Strom, den ich ins Netz abgebe?

Praktisch nicht. Für Balkonkraftwerke gibt es keine nennenswerte Vergütung, überschüssiger Strom fließt gratis ins Netz. Deshalb lohnt es sich, große Verbraucher wie Waschmaschine und Spülmaschine auf die Mittagsstunden zu legen.

Muss mein Stromzähler getauscht werden?

Nur wenn Sie noch einen alten Ferraris-Zähler mit drehender Silberscheibe haben — der würde rückwärts laufen. Der Netzbetreiber tauscht ihn nach Ihrer Anmeldung kostenlos aus. Bis dahin dürfen Sie die Anlage übergangsweise weiterbetreiben.

Wie lange hält ein Balkonkraftwerk?

Die Module halten 20 bis 25 Jahre und verlieren dabei nur langsam an Leistung. Das schwächste Glied ist der Wechselrichter, auf den es meist 10 bis 12 Jahre Garantie gibt. Ein Austausch kostet später rund 100 bis 200 Euro.

Lohnt sich die Anlage auch an einem Ostbalkon?

Ja, aber langsamer. Ost oder West bringen etwa 20 bis 25 Prozent weniger als Süd, die Rückzahlzeit steigt dadurch um ein bis zwei Jahre. Ein Vorteil bleibt: Ostbalkone liefern morgens, wenn viele Haushalte tatsächlich Strom brauchen.

Kann ich die Anlage beim Umzug mitnehmen?

Ja, ein Balkonkraftwerk ist nicht fest eingebaut und lässt sich in wenigen Stunden abbauen. Nur die Halterung muss zum neuen Geländer passen, sonst brauchen Sie eine neue. Im Marktstammdatenregister melden Sie den Standortwechsel nach, das ist kostenlos.